Omikuji

 
 

Glaube oder Glückslotterie?

 

 

An jedem Shintoschrein kann man sich Omikuji, japanische Glückszettel kaufen. Für die meisten Japaner hat dies nichts mit ihrem Glauben zu tun, es ist wie ein Loskauf oder das Lesen des Horoskopes. Doch manche Menschen gehen bewusst zum Schrein, um vor einem wichtigen Ereignis, vor Prüfungen oder Geschäftsabschlüssen oder an Neujahr ein Orakel zu bekommen.

Der Text des Omikuji ist in Gedichtform verfasst. Als Vorlage dienen in vielen Schreinen die 100 chinesischen Gedichte, die ein hochrangiger Mönch des Tendai-Buddhismus über das Schicksal, Heil und Unheil des Menschen verfasst hat. Es geht um die Liebe, Prüfungen, Reisen, Wohnungswechsel, Juristisches, Arbeitsprobleme, Kinder, Krankheiten, Geld und Glück.

In früheren Zeiten wurde das Omikuji als Entscheidungshilfe benützt. Man wollte von dem Gott des Schreins ein Orakel, das über Erfolg und Misserfolg, Heil und Unheil wahrsagte. In der Muromachi-Zeit wurde sogar der Shogun mit Hilfe eines Omikuji gewählt. Nach Abschaffung der Transitzölle wurde der Handel in Japan belebt und es war ein Kommen und Gehen der Kaufleute, die ebenfalls die Schreine besuchten um Erfolg oder Misserfolg ihrer Geschäfte aus den Omikuji zu lesen.

 


Um ein Omikuji zu bekommen, schüttelt man aus einer Blechdose aus einer kleinen Öffnung ein Holz- oder Bambusstäbchen heraus. Entsprechend der Zahl, die auf dem Stäbchen steht, bekommt man ein bestimmtes Omikuji. Bekommt man das Omikuji von einem Priester oder einer Miko (Tänzerin im Schrein) wird das Omikuji wertvoller gehandelt, als wenn man es sich selbst nehmen muss.

Normalerweise gibt es die Zahlen 1-50 oder 1-100. 
Und es gibt verschiedene Grade des Glücks oder des Unglücks.

Dai-Kichi (großes Glück), Chu-Kichi (mittleres Glück), Sho-Kichi (kleines Glück), Kichi (normales Glück), Sue-Kichi (spätes Glück), Kyo (Unglück), Dai-Kyo (großes Unglück). Mache Schreine haben kein Kyo aber dafür Han-Kichi (halbes Glück) oder Hira (durchschnittliches Glück).

Meistens ist der Anteil der guten Omen 2/3 der Omikuji. So haben die Menschen immer die Hoffnung und die Erwartung auf eine größere Chance, etwas Positives zu bekommen.

 

 


Jeder möchte natürlich ein glückliches Schicksal prophezeit bekommen, was auf japanisch "Mio musuba" (Früchte tragen) heißt. Da "Mio musuba" gleichbedeutend ist mit "schlingen", wird das Omikuji, der Papierstreifen, nach dem Lesen um Zweige oder speziell dafür gespannte Schnüre geschlungen. Doch eigentlich soll man die positiven Omikujis mitnehmen und nur die negativen um einen Zweig schlingen.